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Forschungsschwerpunkt 3 - Soziale Marginalisierung und Migration als Entstehungskontexte von Lernbeeinträchtigungen

Soziale Marginalisierung und Migration als Entstehungskontexte von Lernbeeinträchtigungen

Dieser Forschungsschwerpunkt schließt an eine weitere wichtige Forschungslinie des Faches Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungenen an. So wird schon lange diskutiert, dass sich in den Schulen für Lernhilfe vor allem Kinder und Jugendliche finden, die unter Armutsbedingungen aufwachsen. Zunehmend wird diese Gruppe ergänzt um Schülerinnen und Schüler mit familiären Migrationshintergründen. In einer Reihe von Forschungsprojekten des Lehrgebietes werden einerseits der schulinterne Umgang mit Heterogenität, insbesondere vor dem Hintergrund von Armut und Migration, und andererseits informelle Lernprozesse sowie individuelle und familiäre Bildungsorientierungen und -strategien untersucht.

ABGESCHLOSSENE PROJEKTE

Potenziale der Ganztagsförderschule (Schwerpunkt Lernen)

  • Projektbeschreibung

    Dieses Forschungsprojekt untersucht die Ganztagsförderschule mit dem Schwerpunkt Lernen unter der Fragestellung, welche Möglichkeiten diese Schulform zur Anregung und Unterstützung von familiären Bildungsprozessen und zur schulischen Einbindung von bildungsfernen Eltern aufweist.

  • Methodisches Vorgehen

    Die Studie wird in 18 als Ganztagsschulen organisierten Förderschulen (Schwerpunkt Lernen) in Niedersachsen durchgeführt. Zunächst wird über Dokumentenanalysen und Gruppendiskussionen mit Schulleitungen sowie ausgewählten Lehrkräften und pädagogischen MitarbeiterInnen erhoben, wie sich die Relationen zwischen Familie und Schule aus der schulischen Perspektive darstellen und welche Möglichkeiten der Einbindung, Anregung und Unterstützung der Familien unter den Bedingungen einer ganztägigen Organisation der Schule gesehen werden. In einem nächsten Schritt werden vier Schulen ausgewählt, die je unterschiedliche Ausformungen und Interdependenzen des Ganztagsbereichs und der Relation Schule-Familie aufweisen. In vier in der Sekundarstufe ansetzenden, vertiefenden und je einen unterschiedlichen Typus repräsentierenden Fallstudien werden einzelne Schulen mit besonders aussagekräfigen Erfahrungen unter Einbeziehung der Perspektiven der wichtigsten beteiligten Personengruppen untersucht. Zum Einsatz kommen dabei episodische Interviews mit Lehrkräften, Eltern und Kindern.

  • Zielsetzung

    Ziel ist es, eine differenzierte Analyse der Relation der differenten Systeme Ganztagsförderschule (Schwerpunkt Lernen) und Familie anzufertigen und die schulischen Handlungspotenziale zur Unterstützung der elterlichen Kompetenz zur Erziehung und zur Begleitung der schulischen Lernprozesse sowie zur Anregung informeller und non-formaler familiärer Bildungsprozesse zu analysieren. Besondere Beachtung soll dabei der Situation von Kindern aus Familien mit Migrationserfahrungen und Kindern, die unter Armutsbedingungen aufwachsen, zukommen.

  • Projektteam

    Projektleitung: Prof. Dr. Rolf Werning

    Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. phil. Michael Urban; Dipl.-Soz. Kapriel Meser

    Studentische Hilfskräfte: Marina Haske; Cora Kettemann; Anna-Lina Lübke

Informelles Lernen von sozial marginalisierten Schülerinnen und Schülern mit Lernbeeinträchtigungen in lebensweltlichen Kontexten

  • Projektbeschreibung

    In der internationalen Diskussion lange etabliert, werden die Diskurse zum informellen Lernen und zu informellen Bildungsprozessen in der deutschsprachigen Diskussion in einem zunehmend breiteren Rahmen rezipiert. Schwerpunkte finden sich hier in den Bereichen der Erwachsenenbildung, der Sozialpädagogik, der Jugendforschung und im Bereich der Forschung zur Transition in den Beruf. Aus einer sonderpädagogischen Perspektive erscheinen Prozesse eines informellen Lernens besonders interessant für die Gruppe der Schülerinnen und Schüler mit Lernbeeinträchtigungen und familiären Hintergründen, die durch Armut oder Migration gekennzeichnet sind. Ausgehens von der Annahme, dass sich gerade für Schülerinnen und Schüler aus bildungsbenachteiligten Milieus häufig Passungsprobleme im Schulsystem ergeben, die zu negativen Schulkarrieren führen, ergeben sich hier zwei Forschungsperspektiven.

    1. Welche informellen Bildungs- oder Lernprozesse erfahren Kinder und Jugendliche aus sozial marginalisierten Milieus in ihren außerschulischen Lebenswelten - sei es in der Familie, in Jobs, im Zusammensein mit Peers oder über die Zugehörigkeit zu einer Jugendszene, in Vereinen, durch die Nutzung des Internets und der neue Medien oder in sonstigen Kontexten? Werden dabei Kompetenzen entwickelt, für die sich realistischerweise - etwa über die Gestaltung von Portfolios - Perspektiven einer Zertifizierung entwickeln lassen?
    2. Lassen sich aus der Kenntnis informeller Bildungsprozesse dieser Schülergruppen spezifische Anknüpfungspunkte für den schulischen Unterricht konstruieren? Lassen sich im Kontext der Konzepte einer realitätsnahen Schule und einer lebensweltorientierten Didaktik bessere Vernetzungen zwischen schulischem und informellem Lernen entwickeln, so dass die Partizipationschancen sozial marginalisierter Kinder und Jugendlicher erhöhen?

    Diesen Fragestellungen wird im Rahmen dieses an der Grounded Theory orientierten, qualitativen Forschungsprojektes anhand von episodischen Interviews mit Schülerinnen und Schülern in 7. Klassen an Schulen für Lernhilfe und Hauptschulen nachgegangen.

  • Kontakt

    Prof. Dr. Rolf Werning

    Dipl.-Sozialwiss. Michael Urban