Laufende Dissertationen

  • MaL Hannah Thiel: "Schulpflichtig, förderbedürftig, ausgegrenzt – Eine kulturvergleichende Studie über Verhaltensstörungen" (Arbeitstitel)

    Betreuung: Prof. Dr. Birgit Herz

    Laufzeit: ab 2019

    Projektbeschreibung:

    Epidemiologische Studien (vgl. etwa Ihle & Esser 2002; Ellinger & Stein 2012) belegen, dass Verhaltensstörungen ein gesellschaftlich verbreitetes Problem darstellen. Dabei sind Auffälligkeiten im Sozialverhalten und emotionalem Erleben nicht situativ, sondern eine Folge aus Erfahrungen von Vernachlässigung, Ausgrenzung, sozialer Deklassierung, Missachtung und Gewalt (vgl. Crain 2013). Die Zielgruppe des wissenschaftlichen Diskurses um Verhaltensstörungen ist in ihrer Ausprägungsform, Intensität und Dauer so heterogen, dass eine klare Beschreibung der Klientel nur begrenzt möglich ist. Die Definition von Verhaltensauffälligkeiten wird durch die Heterogenität der Symptomatik sowie der individuellen Problemlagen erschwert.

    Mit der UN BRK erlebt internationale Debatte schulischer Inklusion aller Kinder und Jugendlichen weltweit neuen Aufschwung. Besonders das mit Artikel 24 in Kraft tretende Recht auf ein inklusives Bildungssystem führt zur einem Perspektivwechsel im Umgang mit Exklusions- und Separationspraktiken. Die praktische Umsetzung des Leitgedankens ist international verschieden und abhängig von dem soziohistorischen, ökonomischen sowie politischen Kontext des jeweiligen Landes. Dabei gibt es keine allgemein geltenden Standards im Verständnis darüber, was unter „Behinderung“ verstanden wird und wer inkludiert werden soll, was eine international vergleichende Inklusionsdebatte erschwert (vgl. Leonhardt 2018, 12). Das Promotionsvorhaben „Schulpflichtig, förderbedürftig, ausgegrenzt“ – Eine kulturvergleichende Studie über Verhaltensstörungen“ forciert das Verständnis sowie die praktische Umsetzung des Inklusionsgedankens im Umgang mit der heterogenen Zielgruppe unter den Parametern eines partizipativen Forschungsgedankens und eröffnet einen wechselseitigen Transfer darüber, ob und wie das Recht aller Kinder und Jugendlichen auf uneingeschränkte Bildungsteilhabe gesichert wird. Ziel der Studie ist, die Gestaltung inklusiver Umbauprozesse in verschiedenen Kontexten unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zu innovieren. Die Konkretisierung dieses partizipatorischen Forschungsvorhabens findet anhand einer ethnologischen Feldstudie statt. Dabei wird eine konsequente Perspektivübernahme eines Landes des Globalen Südens fokussiert – hier: Peru.

    Literatur:

    Crain, F. (2013): Gelingt Integration? Schweizer Zeitschrift für Heilpädagogik (19), S. 35-41.

    Ehlers, A. (2012): Ich bin mir und dir fremd! Schulpflichtig, förderbedürftig und – ausgegrenzt!, in: Erdély, A., Schmidtke, H.P., Sehrbrock, P. (Hrsg.): International vergleichende Heil- und Sonderpädagogik weltweit. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

    Ellinger, S. & Stein, R. (2012): Effekte inklusiver Beschulung: Forschungsstand im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. In: Empirische Sonderpädagogik 2012 (2).

    Ihle W. & Esser, G. (2002): Epidemiologie psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter, in Psychologische Rundschau 53. Hogrefe Verlag, S. 159-169. Verfügbar unter: doi.org/10.1026//0033-3042.53.4.159

    Leonhardt, A. (2018): Schulische Inklusion aus nationaler und internationaler Sicht, in: Leonhardt, A. & Pospischil, M. (Hrsg.): Internationale Ansätze zur schulischen Inklusion. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, S. 11-32.

  • MaL Niklas Gausmann: Kindheitssoziologische Perspektiven - Eine kindheitstheoretische Synthese und Fundierung Bedeutung für ein sozialpädagogisches Professionsverständnis von Kindheit

    Betreuung: Prof. Dr. Birgit Herz

    Laufzeit: ab 2019

    Projektbeschreibung:

    Die Kindheit als Lebensphase wurde schon in verschiedenen wissenschaftlichen Diskursen näher analysiert. In Abgrenzung zu Untersuchungen der Entwicklungspsychologie, Kindermedizin oder der Erziehungswissenschaft entwickelt das Promotionsvorhaben eine Perspektive auf Kindheit, welche erforscht, in welchem Verhältnis das Kind zur Gesellschaft steht und wie sich diese Relation ausdrückt (vgl. Hengst & Zeiher, 2005: 10; Kaul et al., 2018: 1f.). Gesellschaftliche Strukturen und Prozesse beeinflussen dabei die Relation von Individuum und Gesellschaft und im Speziellen die Beziehung von Kindheit zur Gesellschaft. Vor allem im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden eine Fülle von Theorien und Konstrukte, die in einer soziologischen Perspektive eine Bestimmung von Kindheit in Gesellschaft analysierten. Das sogenannte „Neue“ dieser Theorien war es, das traditionelle und Individualität betonende Sozialisationsparadigma durch das Konzept von Kindheit als einer Struktur der Gesellschaft zu ersetzen und dabei auf ein Bild des Kindes aus einer defizitorientierten Sicht zu verzichten (vgl. Hengst, 2013: 25). Demgegenüber wurde die Betrachtung generationaler Ordnungsprozesse (vgl. etwa Alanen, 2005; Fangmeyer & Mierendorff, 2017), der Kindheit als sozialstruktureller Kategorie (vgl. etwa Qvortrup, 2005) und dem Kind als kompetentem Wesen seiner eigenen sozialen Wirklichkeit betont (vgl. etwa Bühler-Niederberger, 2010).

    Das Promotionsvorhaben expliziert die hierin verborgenen Widersprüche und Spannungsverhältnisse kindheitssoziologischer Theoriebildung – besonders in Bezug auf den sogenannten Akteursansatz –diskursiv. Es wird die kindheitstheoretischen Stränge im Verhältnis zueinander überprüfen und mit sozialpädagogischer Theorie zu Kindheit verknüpfen. So wird das Vorhaben einen Beitrag zur Bestimmung und Klärung der Spannungsverhältnisse, welche sich auf unterschiedlichen Ebenen von Theoriebildung widerspiegeln, leisten. Auf dieser Grundlage kommt es zu einer Neuordnung und Strukturierung kindheitstheoretischer Ansätze, die zu weiterer theoretischer Kohärenz führen.  

    Literatur:

    Alanen, L. (2005): Kindheit als generationales Konzept. In Hengst, H. & Zeiher, H. (2005): Kindheit soziologisch. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 65-82.

    Bühler-Niederberger, D. (2010): Soziologie der Kindheit. In Kneer, G. & Schroer, M. (Hrsg.): Handbuch Spezielle Soziologien. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 436-456.

    Fangmeyer, A. & Mierendorff, J. (2017): Kindheit und Erwachsenheit. Relationierungen in und durchsoziologische Forschung und Theoriebildung. Einleitung. Weinheim u. Basel: Beltz Juventa. S. 10-21.

    Hengst, H. (2013): Kindheit im 21. Jahrhundert. Differenzielle Zeitgenossenschaft. Weinheim u. Basel: Beltz Juventa.

    Hengst, H. & Zeiher H. (2005): Von Kinderwissenschaften zu generationalen Analysen. Einleitung. In Hengst, H. & Zeiher H. (2005): Kindheit soziologisch. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 9-23

    Kaul, I., Schmidt, D. & Thole, W. (2018): Blick auf Kinder und Kindheiten. Unsicherheiten, Herausforderungen und Zumutungen. In Kaul, I., Schmidt, D. & Thole, W. (Hrsg.): Kinder und Kindheiten. Studien zur Empirie der Kindheit. Unsicherheiten, Herausforderungen und Zumutungen. Wiesbaden: Springer VS. S. 1-11.

    Qvortrup, J. (2005): Kinder und Kindheit in der Sozialstruktur. In Hengst, H. & Zeiher, H. (2005): Kindheit soziologisch. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 27-47.    

  • Dipl.-Erzw. Nora Haertel: Die Interinstitutionelle Zusammenarbeit zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe in Fällen von (vermuteter) Kindeswohlgefährdung. (Arbeitstitel)

     

    Laufzeit

    2015 – 2018

     

    Projektbeschreibung

    Ausgangspunkt des Dissertationsprojektes ist eine Untersuchung der Auswirkungen des seit 01.01.2012 in Kraft getretenen Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG). Für sämtliche Lehrkräfte im Schulwesen verbindet sich hiermit ein Übergang innerhalb ihres Tätigkeitsfeldes, welches von der reinen Wahrnehmung und Informationsweitergabe bei Fällen von (vermuteter) Kindeswohlgefährdung zu einer Etablierung eines eigens zugeschriebenen Auftrages im Kinderschutzgesetz gekennzeichnet wird (vgl. Fischer 2011, S. 292). Diese Zuschreibung seitens des Gesetzgebers erfolgte, obwohl für den Professionsbereich von Lehrkräften bis dato keine pädagogische und institutionelle Kultur in der Wahrnehmung und Umsetzung des Kinderschutzes existierte (vgl. Fischer/Buchholz/Merten 2011, S. 11). Empirische Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Gesetzesnovellierung liegen für das angestrebte Untersuchungsfeld der interinstitutionellen Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe in Fällen von vermuteter Kindeswohlgefährdung bisher nicht vor. So beschäftigen sich einzelne Studien zwar mit dem Handlungsfeld der Kooperation (vgl. u.a. Behr-Heintze & Lipski 2005; Markowetz & Schwab 2012) bzw. der Umsetzung des BKiSchGes, fokussieren dabei jedoch vornehmlich außerschulische Handlungsfelder (vgl. u.a. Urban- Stahl 2012; Retkowski 2012; Pluto et al. 2012) oder konzentrieren sich ausschließlich auf die Sicht der Leitungsebene beteiligter Institutionen (Projekt: Wirkungen des Bundeskinderschutzgesetzes - Wissenschaftliche Grundlagen).

    In der geplanten Untersuchung sollen daher die Auswirkungen der Gesetzesnovellierung bzw. die Umsetzungspraxis des erweiterten Aufgabenprofils für den Professionsbereich von LehrerInnen respektive die Bedingungen der derzeitigen Kooperationspraxis analysiert werden. Ziel ist es anhand einer im Mixed-Method-Design angelegten Erhebung systematische Erkenntnisse zur aktuellen Praxisgestaltung im Kinderschutz aus Sicht von Lehrkräften zu erlangen. Ferner sollen letztlich Erkenntnisse zu Gelingensbedingungen und möglichen Hemmnissen im Handlungsfeld des Kinderschutzes gewonnen werden.

    Literatur:
    Behr-Heintze, A., & Lipski, J. (2005). Schulkooperation. Stand und Perspektive der Zusammenarbeit zwischen Schulen und ihren Partnern. Forschungsbericht des DJI.: Deutsches Jugendinstitut: Schwalbach/Taunus.
    Fischer, J. (2011). Lokale Bildungslandschaften als Instrument eines vernetzt kooperierenden Kinderschutzes. In: Fischer, J.; Buchholz, T. & Merten, R. (Hrsg). Kinderschutz in gemeinsamer Verantwortung von Jugendhilfe und Schule. VS Verlag: Wiesbaden, S. 289-308.
    Fischer, J.; Buchholz, T. & Merten, R. (2011). Kinderschutz als gemeinsame Herausforderung für Jugendhilfe und Schule – eine Einführung. In: Fischer, J.; Buchholz, T. & Merten, R. (Hrsg). Kinderschutz in gemeinsamer Verantwortung von Jugendhilfe und Schule. VS Verlag: Wiesbaden, S. 9-16.
    Markowetz, R. & J.E. Schwab (2012). Die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule - Inklusion und Chancengerechtigkeit zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Klinkhardt: Bad Heilbrunn.
    Pluto, L.; Gadow, T.; Seckinger, M. & C. Peucker (2012). Gesetzliche Veränderungen im Kinderschutz - empirische Befunde zu § 8a und § 72a SGB VIII - Perspektiven verschiedener Arbeitsfelder. Deutsches Jugendinstitut: München.
    Retkowski, A. (2012). "Was kann die Mutter tatsächlich?" Kinderschutz in Verhandlung zwischen Team und Leitung im Allgemeinen Sozialen Dienst. In: Marthaler, T.; Bode, I.; Bastian, P. & Schroedter, M. (Hrsg.). Rationalitäten des Kinderschutzes: Kindeswohl und soziale Interventionen aus pluraler Perspektive. VS Verlag: Wiesbaden, S. 219-234.
    Urban-Stahl, U., & N. Jann (2014). Beschwerdeverfahren in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Ernst Reinhard: München und Basel.

     

    Voraussichtlicher Abschluss

    2018

  • Dipl.-Sozialarb./Sozialpäd. Sven Heuer: Riskante Transitionen zwischen Aktivierungsregime und Staatsbürgerdiskurs – Demokratieorientierte Partizipationspraktiken im Übergangssystem. (Arbeitstitel)

     

    Laufzeit

    seit 2014

     

    Projektbeschreibung

    In Folge aktivierungspolitischer Regulierungsstrategien der deutschen Wohlfahrtspolitik werden sozialpädagogische Arrangements des beruflichen Übergangssystems von Modernisierungsschüben erfasst, die unter Aspekten europäischer Bildungs- und Demokratiediskurse, disziplinierender Interventionsformen und gesellschaftlichen Debatten um Staatsbürgerrechte, handlungsorientierte Dilemmastrukturen darstellen (vgl. Christe/Wende 2010). Über Strukturfragen konkreter Förderpraxen hinaus fokussiert sich das Erkenntnisinteresse des vorliegenden Dissertationsprojektes, mittels politischer soziologischer Citizenship-Theorien, auf die integrativen Partizipationspraktiken einer demokratiebasierten subjektorientierten Übergangsforschung (vgl. Kommission Sozialpädagogik 2011): Die „Wege in die Ausbildungslosigkeit“ (Gaupp, N. et al. 2011) sind vielseitig mit dem berufsintegrativen Übergangsystem verknüpft und umreißen neue wohlfahrtsstaatliche Strukturkonflikte im aktivierenden Sozialstaat. Sogenannte Drop-Out und Yoyo-Effekte sind Teil der arbeitsgesellschaftlichen Exklusionsfolgen: „Für rund ein Fünftel schließt ein Bildungsgang des Übergangssystems unmittelbar an den nächsten an.“ (Ulrich 2008: 14). So zeigt eine Übergangsstudie des Bundesinstituts für Berufsbildung, dass über 40% der Adressaten, am Beispiel des Bildungsgangs BVJ, keinen Hauptschulabschluss erwerben konnten (vgl. Beicht 2009: 6): Auf der Grundlage der wohlfahrtsstaatlichen Verschärfung der Inklusion- und Exklusionsdynamik kann im Rahmen des vorliegenden Dissertationsprojektes nach  Partizipationspraktiken sowie Bürgerrechtsoptionen im berufsintegrativen Übergangsystem, als Spannungsfeld der wohlfahrtsstaatlichen Funktion innerhalb aktueller Sozial- und Wohlfahrtspolitik, gefragt werden.

    Mit Bezug auf poststrukturalistische Theorieschulen oder Ansätzen der Hegemonietheorie (vgl. Laclau/Mouffe 2006) und anderen politischen Differenzierungsmodellen, wie politischen z.B. Perspektiven der „Postdemokratie“ (Crouch 2008), wird die Frage nach Partizipation aus der sozialphilosophischen Perspektive neu eingerückt.

    Mit Blick auf die sozialpädagogischen Partizipationsmöglichkeiten soll im angestrebten Forschungsprojekt der Feldbezug des außerschulischen Übergangssystem einer systematisierten Analyse unterzogen werden, in der gemeinsame Strukturlogiken und Differenzen der Bildungsformationen im Hinblick auf Partizipationsoptionen und deren Realisierungsrahmen untersucht werden. Teilziel ist es somit, den Übergang von bildungsbenachteiligten und exklusionsgefährdeten Adressaten an der ersten Schwelle vom berufsbildenden Förder- bzw. Schulsystem (Sekundarstufe I und II) ins Ausbildungs- oder Übergangssystem so zu anzulegen, dass die zentralen Faktoren für pädagogisch legitimierte Partizipationsoptionen im Sinne demokratischer Gültigkeitsbereiche fundiert werden.

    Literatur:
    Beicht, U. (2009): Verbesserung der Ausbildungschancen oder sinnlose Warteschleife? Zur Bedeutung und Wirksamkeit von Bildungsgängen am Übergang Schule – Berufsausbildung. In: BIBB-Report. Forschungs- und Arbeitsergebnisse aus dem Bundesinstitut für Berufsbildung, H. 11., Oktober 2009.
    Christe, G./Wende, L. (2010): Entwicklung sozialer Dienstleistungen am Arbeitsmarkt. Organisationsgestaltung und sozialpädagogische Arbeit in der Jugendberufshilfe. In: Burghardt, H./ Enggruber, R. (Hg.): Soziale Dienstleistungen am Arbeitsmarkt in professioneller Reflexion Sozialer Arbeit. Berlin, S. 123-149.
    Crouch, C. (2008): Postdemokratie. Frankfurt am Main.
    Gaupp, N./Geier, B./Lex, T./Reißig, B. (2011): Wege in die Ausbildungslosigkeit. Determinanten misslingender Übergänge in Bildung und Ausbildung. In: Zeitschrift für Pädagogik. 57Jg. Heft 2, S. 173-186.
    Kommission Sozialpädagogik (Hrsg.) (2011): Bildung des Effective Citizen - Sozialpädagogik auf dem Weg zu einem neuen Sozialentwurf? Weinheim und München.
    Laclau, E./Mouffe, C. (1995 [1985]): Hegemonie und radikale Demokratie: Zur Dekonstruktion des Marxismus. Wien.
    Ulrich, J.G. (2008): Jugendliche im Übergangssystem – eine Bestandsaufnahme. Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.), Bonn.

     

    Voraussichtlicher Abschluss

    2018

  • FöL Jan Hoyer: Implizite Konzepte feldspezifischer Expertinnen und Experten zur intensiven jugendlichen Delinquenz. (Arbeitstitel)

    Betreuung:  Prof. Dr. Birgit Herz

     

    Laufzeit

    seit 2013

     

    Projektbeschreibung

    Der Begriff der episodenhaften Jugenddelinquenz wird im deutschsprachigen Raum deutlich einheitlicher verwendet (vgl. Schumann, 2011, 243; Walter & Neubacher, 2011, 298) als die begrifflichen Beschreibungen und Bezeichnungen intensiver Jugenddelinquenz (vgl. Boegner, 2011, 7). Verwaltung- und verfahrenstechnisch hat sich in Abgrenzung zum episodenhaften Tätertypus der Begriff des jugendlichen Intensivtäters etabliert. Bei der so bezeichneten Gruppe Jugendlicher wird ein erhöhter Bedarf an staatlicher Aufmerksamkeit, Kontrolle und Unterstützung angenommen, was zu einer institutions- und professionsübergreifenden Präsenz Handelnder in heterogenen Zuständigkeitsbereichen führt (vgl. Nied. Justizministerium, 2009). Hieraus ergibt sich eine Gruppe Professioneller, die im Umgang mit intensiver Jugendlicher Delinquenz Handlungstheorien entwickeln und anwenden. In diesem Projekt werden Expertinnen und Experten (vgl. Meuser & Nagel, 2009, 38) aus gerichtlichen, polizeilichen und pädagogischen Handlungsfeldern zum Phänomen der intensiven jugendlichen Delinquenz befragt. Es sollen implizite „Deutungsmuster“ (Arnold, 1983, 55) und idealisierte Denkmodelle (vgl. Lakoff, 1990, 68) unterschiedlicher Professionen im Handlungsfeld verglichen werden. Hierbei werden gemeinsame professionsübergreifende Denkmodelle und Deutungsmuster sowie widersprüchliche Positionen und Handlungsprämissen analysiert und diskutiert.

    Literatur:
    Arnold, R. (1983): Deutungsmuster. Zu den Bedeutungselementen sowie den theoretischen und methodologischen Bezügen eines Begriffs. Zeitschrift für Pädagogik 29 (6), 893–912.
    Boegner, A. (2001): Einführung. In A. Boegner (Hrsg.): Jugendliche Intensivtäter – Interdisziplinäre Perspektiven. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
    Lakoff, G. (1990): Women, Fire, and dangerous Things. What Categories reveal about the Mind. Chicago an London: The University of Chicago Press.
    Meuser, M. & Nagel, U. (2009): Experteninterview und Wandel der Wissensproduktion. In.: A. Bogner & B. Littig (Hrsg.): Experteninterviews (S. 35–60). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
    Niedersächsisches Justizministerium (2009): Bekämpfung der Kinder- und Jugenddelinquenz; Landesrahmenkonzept „Minderjährige Schwellen- und Intensivtäter“. In: Nds.MBl. Nr.34/2009, 751.
    Schuhmann, K. (2011): Jugenddelinquenz im Lebensverlauf. In: B. Dollinger & H. Schmidt-Semisch (Hrsg.): Handbuch Jugendkriminalität. Kriminologie und Sozialpädagogik im Dialog (S. 243–258). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
    Walter, M. & Neubacher, F. (2001): Jugendkriminalität. Stuttgart: Bloomberg.

     

    Voraussichtlicher Abschluss

    2019

  • Dipl.-Sozialpäd. Matthias Meyer: Gesellschaftskritische Positionierungen im internationalen (englischsprachigen) Feld – Ein diskursanalytischer Forschungszugang zu SEBD. (Arbeitstitel)

    Betreuung: Prof. Dr. Birgit Herz

     

    Laufzeit

    seit 2012

     

    Projektbeschreibung

    In historischer Perspektive ist mit dem Salamanca Statement 1994 das wohl wichtigste Postulat für „Inclusion“ und „Inclusive Education“ vorgelegt worden. Neben weiteren internationalen Dokumenten ist mit der „Convention on the Rights of Persons with Disabilities“ von 2006 „Inclusion“ und „Inclusive Education“ rechtlich verankert. Über eine theoretisch fundierte Klarheit bezüglich der Begriffe herrscht im wissenschaftlichen Diskurs allerdings eine Kontroverse (vgl. ex. Graham & Slee, 2008). Gleichzeitig werden gesellschaftskritische Positionierungen lediglich vereinzelt gefordert – sowohl für den deutschsprachigen (Benkmann, 2012; Herz, 2012) als auch für den internationalen (englischsprachigen) Raum (Barton, 1997). Eine gesellschaftskritische (vgl. ex. Bauman, 2005) als auch eine gerechtigkeitstheoretische (vgl. ex. Nussbaum, 2007) Auseinandersetzung wird als zentral für die Thematisierung von „Inclusion“ und „SEBD“ angesehen. Es sind gerade Adressatinnen und Adressaten der schulischen und außerschulischen Erziehungshilfe (international: SEBD), die als die Verlierer von Inklusion gelten können. In dem Promotionsprojekt wird daher der internationale (englischsprachige) Diskurs über „SEBD“ in Zusammenhang mit „Inclusion“ analysiert. Eine zentrale Forschungsfrage zu dem Projekt lautet: Wie wird der internationale (englischsprachige) Diskurs über „SEBD“ in Zusammenhang mit „Inclusion“ geführt? Als Datenmaterial werden Artikel aus einschlägigen internationalen (englischsprachigen) Fachzeitschriften sowohl aus dem US-amerikanischen als auch aus dem britisch/europäischen Raum herangezogen.

    Literatur:
    Barton, L. (1997). Inclusive education: romantic, subversive or realistic? International Journal of Inclusive Education, 1(3), 231–242.
    Bauman, Z. (2005). Verworfenes Leben: Die Ausgegrenzten der Moderne. Hamburg: Hamburger Edition.
    Benkmann, R. (2012). Inklusive Schule in einer desintegrierten Gesellschaft? In R. Benkmann, C. Solveig, & E. Stapf (Hrsg.), Inklusive Schule – Einblicke und Ausblicke (S. 54–70). Immenhausen bei Kassel: Prolog.
    Graham, L. J., & Slee, R. (2008). An Illusory Interiority: Interrogating the discourse/s of inclusion. Educational Philosophy and Theory, 40(2), 277–293.
    Herz, B. (2012). Inklusion: Realität und Rhetorik. In R. Benkmann, C. Solveig, & E. Stapf (Hrsg.), Inklusive Schule – Einblicke und Ausblicke (S. 36–53). Immenhausen bei Kassel: Prolog.
    Nussbaum, M. C. (2007). Frontiers of Justice: Disability, Nationality, Species Membership. The Tanner lectures on human values. Cambridge/London: Belknap Press of Harvard University Press.    

     

    Voraussichtlicher Abschluss

    2018