Sprachtherapieforschung

AKTUELLE PROJEKTE


DYNAMIK

  • Projektbeschreibung & Ziele

    In Deutschland wachsen inzwischen 35% der Vorschulkinder (0-5 Jahre) mit Migrationshintergrund auf (Statistisches Bundesamt, 2012), wobei der Prozentsatz in Großstädten teilweise noch deutlich darüber liegt. Im späteren Bildungsweg dieser mehrsprachigen Kinder zeigen sich immer noch starke ethnische Disparitäten: Sie schlagen deutlich seltener höhere Bildungswege und deutlich häufiger niedrigere ein (Stanat & Edele, 2011). Als ein wesentlicher Grund hierfür wird das mangelnde Beherrschen der Unterrichtssprache Deutsch genannt (ebd.). 

    Eine rechtzeitige und sichere Einschätzung des Sprachentwicklungsstandes und ein Herausfiltern von Kindern mit Problemen im Spracherwerb ist also unerlässlich, um allen die nötige Unterstützung zukommen zu lassen. Der Mangel an geeigneten Diagnostikinstrumenten für mehrsprachige Kinder führt in der Praxis aber zu diagnostischen Unsicherheiten. Außerdem sind klassische, normorientierte Testinstrumente für mehrsprachige Kinder häufig ungeeignet, weil z.B. das verwendete Bild- und Wortmaterial für einsprachig deutsche Kinder entwickelt wurde oder keine Normdaten für mehrsprachige Kinder vorliegen. Ein Lösungsansatz, um Benachteiligungen in der Testung mehrsprachiger Kinder zu reduzieren, ist das „Dynamic Assessment“.  Ziel einer dynamischen Testung ist es, das Lernpotential oder die Veränderbarkeit der Leistungen des Kindes in der Interaktion mit dem Erwachsenen zu bestimmen (Gutiérrez-Clellen & Peña, 2001). Hierbei – wird – im Gegensatz zu klassischer normorientierter Testung – überprüft, welchen sprachlichen Leistungsstand das Kind mit Unterstützung / Hilfe zeigt.

    Projektziele

    Ziel der Arbeit ist es zu überprüfen, ob und wie sich mehrsprachige Kinder mit und ohne Spezifischer Sprachentwicklungsstörung (SSES) in der Bearbeitung von Dynamic Assessment Aufgaben unterscheiden. Daraus können folgende Fragestellungen abgeleitet werden:

    1. Kann mithilfe von Dynamic Assessment Aufgaben zwischen mehrsprachigen Kindern mit und ohne spezifischer Sprachentwicklungsstörung unterschieden werden?
    2. Verbessern mehrsprachige Kinder mit und ohne spezifischer Sprachentwicklungsstörung im Rahmen von Dynamic Assessment Aufgaben ihre sprachlichen Leistungen?
    3. Welche zusätzlichen potentiell förder- bzw. therapierelevanten Informationen können aus dem Dynamic Assessment Prozess gezogen werden?
  • Leitung & Team
  • Laufzeit

    05/2013 - 12/2019

  • Methode / Studiendesign

    Nach der Entwicklung der Dynamic Assessment Aufgaben und des Testprozederes, wird ein Gruppenvergleich von mehrsprachigen Kindern mit und ohne SSES in der Bearbeitung dieser Aufgaben durchgeführt. Weiterhin werden Langzeitdaten im Rahmen einer Follow-up Testung nach sechs Monaten erhoben. So soll die prognostische Validität des Dynamik Assessment überprüft werden. Die Auswertung der erhobenen Sprachdaten erfolgt quantitativ überwiegend mit Hilfe der Item Response Theory.

  • Informationen für Kindertagesstätten und logopädische Praxen

    Der Sprachentwicklungsstand von Kindern wird zu verschiedenen Zeitpunkten und in verschiedenen Settings erhoben. Sei es während der Sprachstandserhebungen vor der Einschulung oder im Rahmen der sprachtherapeutischen Befunderhebung. Immer stellt aber die (Förder-)Diagnostik der sprachlichen Fähigkeiten mehrsprachiger Kinder eine besondere Herausforderung dar: Welche sprachlichen Abweichungen, die mehrsprachige Kinder im Laufe ihres Spracherwerbs im Deutschen zeigen sind noch „normal“ und welche nicht? Welche Unterstützung benötigt jedes individuelle mehrsprachige Kind, um die Bildungssprache Deutsch zu erwerben und so einen erfolgreichen Start ins Schulleben zu haben? Dies sind drängende Fragen, deren Beantwortung auf Grundlage der momentan zur Verfügung stehenden (förder-)diagnostischen Verfahren nicht immer leichtfällt.

    Hier setzt DYNAMiK an. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll die Eignung eines neuen diagnostischen Ansatzes (Dynamic Assessment) zur Sprachdiagnostik mehrsprachiger Kinder überprüft werden. Um den Ansatz möglichst umfassend zu betrachten, sind in die Untersuchung sowohl mehrsprachige, als auch einsprachige Kinder mit und ohne Sprachentwicklungsstörungen eingeschlossen.

  • Publikationen

    Zeitschriftenbeiträge

    Ehlert, H., Lüdtke, U. & Beushausen, U. (2018). Dynamic Assessment in der Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen. LOGOS interdisziplinär, 26(4), S. 261-268.

    Ehlert, H. (2015). Statische vs. Dynamische Diagnostik in der Kindersprache, SAL-Bulletin, 158, S. 5-18.

    Ehlert, H. (2014). Diagnostische Ansätze im Bereich Kindersprache. Einsatzmöglichkeiten und Grenzen unter Betrachtung ihrer unterschiedlichen Referenzpunkte. Forum Logopädie, 28 (1), S. 16-21.

     

    Vorträge

    Ehlert, H. (2018). Benefits of Dynamic Assessment in Assessing Children who are Multilingual. ASHA Convention 2018, Boston / USA

    Ehlert, H. (2017). Dynamic Assessment - Potentiale in der Diagnostik ein- und mehrsprachiger Kinder. dbl-Kongress, Mainz

    Ehlert, H. (2014). Diagnostik in der Kindersprachtherapie. SAL-Tagung, Zürich, Schweiz

     

    Poster

    Ehlert, H. (2017). Dynamic Assessment as an alternative method for assessing linguistically diverse children. IALP Symposium, Bremen

  • Downloads

    Den Projektsteckbrief können Sie hier downloaden. 


© Pflughoft/IfS
Sommercamp am Steinhunder Meer
  • Projektbeschreibung und Ziele

    Etwa 800.000 Menschen in Deutschland stottern dauerhaft. Aktuelle Studien belegen, dass ab dem Schulalter Therapiekonzepte mit Gruppenanteilen besser als einzeltherapeutische Angebote wirken,und intensiv-/intervalltherapeutische Strukturen extensivenTherapieangeboten überlegen sind (Euler et al.,2014, DGPP,2016, Iven & Hansen,2017).  Das Therapiekonzept der Stottertherapie nach dem Hannover Modell fokussiert die dialogischen Abstimmungs- und Kommunikationsprozesse in Interaktionen und hält vielfältige gruppen- und einzeltherapeutische Angebote bereit. Dem Therapiekonzept liegt eine interaktionistische Theorie des Phänomens Stottern als intra- und interpersonelles Timing-Problem der Sprechakte (Bindel 1987, Savelkoul et al. 2007) zugrunde. Die Diagnostik und die Lehr-Lernbedingungen in der Intervention sind daher partizipativ und interaktional gestaltet. Das Konzept wird im Rahmen von Intensiv-Intervall-Therapien für stotternde Jugendliche und junge Erwachsene durch die Abteilung Sprach-Pädagogik und -Therapie der Leibniz Universität Hannover begleitet und (weiter-)entwickelt. Im Rahmen von theoretischen und empirischen Forschungsergebnissen konnten bisher vielfältige Faktoren für Veränderungen des Sprechens, des Dialogs und des Umgangs mit dem Stottern identifiziert werden (vgl. Miosga 2012, 2016, 2019).

  • Leitung & Team

    Leitung: apl. Prof. Dr. Christiane Miosga

    Team:  Jana Pflughoft, Daniel Hirschligau, Patrick Wurster

  • Laufzeit

    01/2009 - 02/2020

  • Methode & Studiendesign

    Im Rahmen partizipativer Interventionsforschung werden Potentiale und Ressourcen für gelingende Interaktionen von Teilnehmenden der Intensiv-Intervalltherapien ermittelt.

    Im Rahmen von Multiple Methods (Collier & Elman, 2008) werden kommunikative Strukturen, Einstellungen und Muster erfasst.  Im Fokus stehen hierbei nicht nur der Stotterschweregrad  und die psychosoziale Belastung, sondern die Modifikationen von Gestik, Mimik und Prosodie in Interaktionen und der Abstimmung im Dialog. Ebenso sind individuelle Veränderungsstrategien besonders bedeutsam für den Transfer und somit ein relevanter Untersuchungsgegenstand. Auch das Potential der gegenseitigen  Bereicherung der Perspektiven durch die heterogene Zusammensetzung der Teilnehmenden sowie eines multiprofessionellen Teams, insbesondere durch Studierende und Tutorensysteme wird erforscht. Die Triangulation verschiedener Datensorten (Kuchartz & Rädiker, 2010)  erlaubt das Herausarbeiten der Potentiale der Konzeption sowie individueller Ressourcen hinsichtlich einer vorteilhaften verbalen und nonverbalen Entwicklung.

  • Informationen für Patient*innen, logopädische Praxen, Ärzt*innen, Schulen und Familien

    Aktuelle Angebote, Termine und Studienergebnisse finden Sie auf den Informationsseiten des SpeechLab.

     

     

  • Publikationen
    • Miosga, C.; Müller, M.-I.;  Pflughoft, J. & Pohl, A. (im Druck): Stottern und Interaktion –  eine Studie im Rahmen partizipativer Interventionsforschung. Poster auf dem 20. Wissenschaftlichen Symposium des dbs in Halle. Erscheint in: Sprachtherapie aktuell
    • Miosga, C. (2016): Miteinander sprechen, lernen und forschen im Sommercamp Hannover - Eine Studie zu Auswirkungen der Kombinierten Stottertherapie nach dem Hannover Modell. In: Forum Logopädie, Heft 2 (30) März 2016, 14-21.
    • Miosga, C.; Holtmann, M.; Lindemann, J.; Mayer,L.; Potthast, I.; Sassi, Y.; Schierstedt, L. (2016): Stottertherapie nach dem Hannover Modell – Interventionsstudie zur Veränderung des Sprechens, des Dialogs und des Umgangs mit dem Stottern. Poster auf dem 17. Wissenschaftlichen Symposium des dbs e.V. in Hannover In: Lüdtke, U./ Licandro, U. (Hrsg.): Sprachtherapie und Inklusion, Prolog, Köln
    • Miosga, C. (2015): 15 Jahre Sommercamp Hannover - Leibniz Universität Hannover begleitet Intensivtherapie nach dem Hannover Modell für stotternde Jugendliche und junge Erwachsene. In: Forum Logopädie, Heft 3 (29) Mai 2015.
    • Miosga, C. (2012): Die Vielfalt des Sprechens - Mit- und voneinander lernen im „Sommercamp für stotternde Jugendliche und junge Erwachsene“. In: LOGOS interdisziplinär 20,2, 108 - 115

Hear Africa!

  • Projektbeschreibung & Ziele

    HEAR Africa! ist ein Projekt der interdisziplinären, interfakultativen Forschungsinitiative “Leibniz Lab for Relational Communication Research“ (Prof. U. Lüdtke, Institut für Sonderpädagogik/Abteilung Sprach-Pädagogik und –Therapie; Prof. J. Ostermann & Prof. B. Rosenhahn, Institut für Informationsverarbeitung). Im Projekt wird das Ziel verfolgt die Teilhabe- und Bildungschancen von hörbeeinträchtigten Kindern in Subsahara Afrika durch den Aufbau und die Erweiterung von Versorgungs- und Qualifikationsstrukturen zu verbessern.

    Weitere Informationen zum Projekt finden Sie in Kürze auf den Seiten des Leibniz Lab for Relational Communication Research.

  • Leitung & Team

    Leitung: Prof. Dr. habil. Ulrike Lüdtke, Prof. Dr. hc.c Thomas Lenarz (Deutsches Hörzentrum, Medizinische Hochschule Hannover)

    Team: Julia Wendel, Kirsten Beta, Prof. Dr. Anke Lesinski-Schiedat (Deutsches Hörzentrum, Medizinische Hochschule Hannover), Dr. Angelika Illg (Deutsches Hörzentrum, Medizinische Hochschule Hannover)

  • Laufzeit & Förderung

    Förderung: Ministerium für Soziales Niedersachsen / Niedersächsische Staatskanzlei

    Laufzeit: 2019 - 2024